2. „Verrückt? Na und!“ – Einblicke in ein Ehrenamt für psychische Gesundheit
Frau Melanie Staat ist seit 2 Jahren im Berufsverband. In ihrer Freizeit schreibt sie regelmäßig Artikel für die digitale Angst-Zeitschrift, welche vom Deutsche Angst-Hilfe e. V. angeboten wird und sich an Menschen mit Angsterkrankungen, aber auch deren Angehörige sowie Fachpersonal richtet. Bei uns hat sie auch schon einen Artikel mit der Überschrift „Prüfungsangst“ veröffentlicht.
In ihrer freien Zeit engagiert sie sich als Ehrenamtlerin in einem Projekt. Sie schreibt: „Als psychologische Beraterin arbeite ich nicht Menschen, die eine diagnostizierte psychische Erkrankung haben – und habe dennoch das Bedürfnis, mich dafür einzusetzen, dass Menschen mit Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen weniger Stigmatisierung erfahren und schneller im Hilfssystem angebunden werden.
Bereits vor meiner Fortbildung als psychologische Beraterin beim BTB habe ich mich beim Verein „Irrsinnig Menschlich e.V.“ im Projekt „Verrückt? Na und!“ engagiert. Das Projekt habe ich 2021 kennengelernt und direkt gewusst, dass ich mich dort ehrenamtlich beteiligen möchte, um über psychische Erkrankungen aufzuklären.“
Was sind die Inhalte des Projektes?
„Verrückt? Na und!“ wird in Schulen ab der 8. Klasse durchgeführt, um:
- Warnsignale einer psychischen Krise aufzuzeigen
- Förderliche Bewältigungsstrategien zu vermitteln
- Mut zu machen, sich bei psychischen Belastungen Unterstützung zu holen
- Das Thema psychische Erkrankung „besprechbar“ zu machen
- Vorurteile abzubauen
Das Projekt wird in Deutschland, aber auch in Österreich, der Slowakei und Tschechien von einzelnen Regionalgruppen betreut und für die jeweilige Region koordiniert. Angefangen habe ich damals in einer Regionalgruppe in Hessen – inzwischen sind auch zwei weitere Gruppen aus Rheinland-Pfalz hinzugekommen.
Was macht das Projekt so besonders?
Der Kernpunkt des Projekts ist die Zusammenarbeit im Tandem. In der Regel wird der Schultag von zwei Personen betreut – einem fachlichen und einem persönlichen Experten.
Der fachliche Experte bringt Wissen aus der beruflichen Praxis mit. Beispiele hierfür sind Sozialpädagog*innen, Schulsozialarbeitende, Psycholog*innen oder Fachkräfte für psychiatrische Krankenpflege. Die Erfahrung im Umgang mit psychischen Erkrankungen und dem damit verbundenen Fachwissen ermöglicht es, die Klasse thematisch abzuholen und zu informieren.
Im Unterschied dazu bringt der persönliche Experte eigene Erfahrungen als betroffene Person einer psychischen Erkrankung ein. Er gibt die individuelle, persönliche Geschichte preis, berichtet über Therapieerfahrungen und hilfreiche Strategien, die es ermöglicht haben, einen Umgang mit der Erkrankung zu finden.
Besonders eindrücklich wird dieser Ansatz des Tandems, wenn die Rollen am Ende des Schultags aufgelöst werden. Berichtet der persönliche Experte im dritten und damit letzten Part über seine Erkrankung, werden die Augen der Schüler*innen oft groß und es folgen Reaktionen wie „Was, du wirkst doch so normal!“ oder „Du siehst gar nicht krank aus“. Kinder und Jugendliche reagieren oft frei und authentisch, was es möglich macht, Stigmata und Vorurteile direkt aufzugreifen und zu besprechen. Nur so können wir es schaffen, ein Umdenken anzuregen und Fehlinformation zu vermeiden.
Ein Ehrenamt, das wirkt
Welche Wirkung das Projekt zeigt, wird durch die Reaktionen und das Feedback des Schulpersonals, aber auch der Schüler*innen deutlich. Bei einem meiner Projekttage vor den Sommerferien kam eine Schülerin in der Pause zu mir und berichtete, dass sie seit kurzem in Therapie sei und das Gefühl hatte, mit ihren Ängsten allein zu sein. Der Schultage hätte ihr gezeigt, wie viele Menschen ähnlich fühlen.
Dabei sein und Gutes tun!
Das Projekt „Verrückt? Na und!“ zeigt, wie wertvoll Begegnungen und offene Gespräche über psychische Gesundheit sein können. Wer sich für dieses Thema interessiert und sich einbringen möchte, findet hier eine Möglichkeit, mit wenig Aufwand etwas zu bewegen, neue Perspektiven kennenzulernen und dabei selbst wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht ist genau das der Anstoß, sich einmal näher mit einem Engagement im Projekt zu beschäftigen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website: https://www.irrsinnig-menschlich.de
Gerne können Sie mich direkt ansprechen (hallo@mentli.de), wenn Sie mögen. Ich informiere gerne über meine Tätigkeit im Ehrenamt!
Anmerkung der Redaktion: den Wert des Ehrenamtes kann man nicht hoch genug würdigen. Es dient
- der Stärkung der Gemeinschaft: Es hält viele Bereiche des öffentlichen Lebens (wie Sportvereine, Rettungsdienste, Tafeln oder die Feuerwehr) am Laufen,
- es dient der Demokratie: Es fördert die gesellschaftliche Mitbestimmung und den Zusammenhalt
- und es ist ein persönlicher Gewinn: Man sammelt wertvolle Erfahrungen, knüpft soziale Kontakte und stärkt die eigenen Fähigkeiten.